Bücher gegen Stress
Lesen kann Stress bedeuten, denn Lesen kostet Zeit und Aufmerksamkeit. Doch es gibt einige gut lesbare und verständliche Bücher zum Umgang mit Stress. Eine kommentierte Liste mit Buchempfehlungen.

- Ein lesenswertes Buch, das keinen Stress verursacht. (Bild: Vandenhoeck & Ruprecht)
Gerald Hüther: Biologie der Angst. Wie aus Stress Gefühle werden. (Sammlung Vandenhoek, 130 Seiten)
Hüther ist Hirnforscher (Professor für Neurobiologie an der Universität Göttingen) und schreibt so, dass man ihn und die Vorgänge im Gehirn auch als Normal-Mensch versteht. Er beschreibt zunächst die biologischen Funktionen der Stressreaktion, er spricht über Sackgassen des Denkens und Fühlens und klärt Leser auf über die „Bedeutung der Wahrnehmungsfähigkeit für die Informationsverarbeitung in sich selbst optimierenden Systemen“. Denn das ist unser Gehirn – und so haben wir auch eine Chance, immer wieder neue Wege im Umgang mit Stress zu suchen. Dieses Buch bestärkt einen dabei. Am Ende werden die wichtigsten Fachausdrücke erläutert (oft auch schon im Text selbst). Ein sehr lesenswertes Buch, das keinen Stress verursacht.

- Stress-Intelligenz: Stress verstehen, erkennen und reduzieren. (Bild: Droemer & Knaur)
Christoph M. Bamberger: Stress-Intelligenz. Stress besser meistern, Lebensenergie gewinnen. (Knaur, 187 Seiten)
Medizin-Professor Bamberger will uns intelligenter machen, Stress-intelligenter. Im ersten Teil geht es darum, Stress zu verstehen, im zweiten Teil, Stress zu erkennen, im dritten Teil schließlich darum, Stress zu reduzieren. Bamberger ist Hormonexperte und klärt Leser darüber auf, was im Körper bei Stress so alles geschieht. Er spricht über guten und bösen Stress, über Stress und Sex sowie über die drei grundlegenden Dinge zum Umgang mit Stress. Bamberger nennt sie die drei „M“ der Stress-Intelligenz. Dazu zählen: medizinische Prävention, mentale Stärke und das Management der Stressoren. Er bietet einige Checklisten und kurze, interessante Selbsttests im Buch dazu an. Ein kurzweiliges, lesenswertes Buch, das tatsächlich (Stress-)intelligenter macht.

- Alles eine Frage der Dosis: Sonne kann auch gegen Stress helfen. (Bild: systemed Verlag)
Peter Heilmeyer und Hans-Jürgen Richter: Gesund durch Stress. Wer reizvoll lebt, bleibt länger jung. (Systemed Verlag, 176 Seiten)
Hier ist der Titel noch das Provokativste. Denn die Grundaussage des Buchs der beiden Mediziner ist klar: Nur wenn wir uns bewegen und das Leben (mit Studium, Job und Freizeit) auch genießen können (ohne andauernde Gewissensbisse) bekommen wir einen Teil des Stresses in den Griff. Sie plädieren dafür, sich beispielsweise bewusst in die Sonne zu legen – und nicht nur an Hautkrebs zu denken, sondern auch daran, dass die Sonne für die Produktion des lebensnotwendigen Vitamins D verantwortlich ist. Alles eine Frage der Dosis, sagen die Autoren. Das gilt übrigens auch fürs Weintrinken. Einige Interviews schließen das Buch ab, unter anderem mit dem Star-Koch Heinz Beck vom „La Pergola“ in Rom, oben an der Spanischen Treppe. Der Mann weiß, was Stress ist (deutscher Sterne-Koch im Mutterland des besten Essens). Erstaunlich, mit welcher Ruhe Beck seinen stressigen Job beschreibt und für welche Ziele er arbeitet. Manches aus dem Buch hat man sicher schon mehr als einmal gehört (Joggen hilft gegen Stress), trotzdem ist die Zusammenfassung gelungen und es dauert auch nicht zu viel Zeit, dieses Buch (quer-) zu lesen.

- Entspannungsmethoden müssen erst erlernt werden. (Bild: Mankau Verlag)
Doris Kirch: Handbuch Stressbewältigung (Mankau Verlag, 280 Seiten)
Die Autorin ist Leiterin des Deutschen Fachzentrums für Stressbewältigung und versichert, dass sie täglich mit gestressten Zeitgenossen konfrontiert ist. Langjährige Erfahrung mit dem Problem Stress hat sie also. Sie empfiehlt für eine erfolgreiche Stressbewältigung einen multifaktoriellen Ansatz. Im umfangreichen Methodenteil stellt die Autorin bekannte und weniger bekannte Entspannungsmethoden und Meditationen vor, zum Beispiel Progressive Muskelentspannung, MBSR (Mindfulness Based Stress Reduction), Kundalini-Meditation und Yoga. Sie sagt aber auch offen: „Wenn Stressbewältigung einfach wäre, dann würden die medizinischen Statistiken über stressbedingte Erkrankungen nicht in schwindelnde Höhen steigen.“ Also, man sollte sich nicht täuschen: Die Aktivierung innerer Ressourcen bedarf einiger Anstrengung. Wer durch das Buch aber mit einer (neuen) Methode beginnt, seine Stressbewältigung auf ein breiteres Fundament zu stellen, für den hat sich die Beschäftigung mit dem Buch bestimmt gelohnt.
Datum: 10/09
Autor: Thomas Friedenberger
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