Burkhard Schwenker ist Aufsichtsratsvorsitzender bei der Unternehmensberatung Roland Berger. Im Interview spricht der 52-Jährige über hohe Anforderungen an den Nachwuchs, Top-Talente und seinen eigenen Werdegang.

- Burkhard Schwenker: Hat das deutsche Schulsystem einmal durchprobiert (Bild: Burkhard Schwenker / Roland Berger Strategy Consultants)
Als Kind haben Sie sich gewünscht, Landwirt oder Pastor zu werden. Für einen Aufsichtsratschef ist das durchaus ungewöhnlich.
Schwenker: Eigentlich nicht. Ich bin in einem Dorf in Ostwestfalen großgeworden – und da gab es viele Landwirte. Die Aussicht, Trecker zu fahren, war für mich als Junge besonders anziehend. Und dass ich Pastor werden wollte, hatte keinen religiösen Hintergrund. Auch daran war die dörfliche Umgebung nicht ganz unschuldig. Auf dem Land gibt es immer bestimmte Persönlichkeiten, die eine Rolle spielen. Das sind vor allem der Pastor, der Schuldirektor und der Arzt.
Sie sind sieben Jahre CEO bei Roland Berger gewesen und nun Aufsichtsratschef. Haben Sie sich an den neuen Posten gewöhnt?
Schwenker: Ja, aber es ist schon ein Unterschied. Der CEO ist ja auch dafür verantwortlich, dass das Tagesgeschäft läuft. Dass ich mich darum nicht mehr kümmern muss, ist eine große Erleichterung. Allerdings gebe ich zu: Ich muss mich manchmal noch an meine neue Rolle gewöhnen.
Vielfach ist es verpönt, dass der frühere CEO sofort in den Aufsichtsrat aufsteigt. Sie sind anderer Ansicht?
Schwenker: Ich persönlich halte da einen grundsätzlichen Kodex für falsch. Auch, weil damit ein pauschales Urteil verbunden ist: Nämlich dass der alte CEO den neuen CEO in der strategischen Entwicklung behindert. Kommen Aufsichtsratschef und Vorsitzender der Geschäftsführung miteinander aus, ist das für ein Unternehmen aus meiner Sicht immer noch eine gute Lösung. Denn sie garantiert Kontinuität und Erneuerung zugleich.
Und kommen Sie und der neue CEO Martin Wittig miteinander aus?
Schwenker: Ja, wir kommen miteinander aus – wir sind sogar eng befreundet.
Die Presse berichtete aber von einem Machtkampf...
Schwenker: Kann sein. Und ich kann die Presse in gewisser Weise verstehen. Die Geschichte ist ja sonst fast schon langweilig: Da verstehen sich zwei und finden gemeinsam in ihre neuen Rollen. Martin Wittig und ich kennen uns seit vielen Jahren und wissen, wie wir denken. Natürlich sind wir unterschiedliche Persönlichkeiten, aber das ist gut so. Diese Vielfalt braucht man in einer partnerschaftlichen Organisation, um konstruktive Diskussionen führen zu können.
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Vielfalt bestimmte auch Ihren Bildungsweg.
Schwenker: Das stimmt. Ich habe praktisch das deutsche Schulsystem einmal durchprobiert. Hauptschule, Realschule und Gymnasium. So konnte ich schließlich Mathematik und BWL studieren – was sich im Rückblick als eine glückliche Kombination herausgestellt hat. Damals wusste ich allerdings nicht genau, was ich studieren sollte. Ich fand das auch nicht so entscheidend.
Wie das?
Schwenker: In der Provinz kam die bewegte 68er-Zeit fünf bis zehn Jahre später an. So habe ich sie tatsächlich noch miterlebt und war politisch engagiert. Ich war damals so links, wie man nur sein konnte. Und das aus voller Überzeugung. Später habe ich mich dann selbst bekehrt…. Wie das auf dem Dorf so ist, hatten meine Eltern damals jedenfalls die Vorstellung, dass ich wie mein Vater Tischler werden sollte. Das wollte ich aber nicht, schon allein aus schierer Rebellion. Stattdessen wollte ich Architekt werden. Das war allerdings rasch wieder passé, als ich einen jungen Architekten aus einem renommierten Architekturbüro traf, der drei Jahre lang nur Fahrstuhlschächte geplant hatte.
Burkhard Schwenker über Top-Talente, Anforderungen und Geld in Teil 2
Interview: Stefanie Zimmermann
Datum: 11/10
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