Wirtschaftsregion NRW: Wissen ist Wirtschaft
Ein Bindestrich fügte vor mehr als 60 Jahren zusammen, was bis dahin nicht zusammengehörte. Rheinländer und Westfalen schreiben seitdem gemeinsam eine wirtschaftliche Erfolgsgeschichte. Ihr Trumpf: ein breiter Branchenmix. Das größte Kapital aber ist Wissen.

- Beispiel Düsseldorf: NRW ist ein bedeutender Medienstandort in Deutschland (Bild: G. Mönks Photografie)
Karneval, Fußball, Pott – damit kann nur Nordrhein-Westfalen gemeint sein. Das „Land von Kohle und Stahl“, wie NRW in den 1950ern und 60ern gerne genannt wurde, hat aber seitdem einen riesigen Veränderungsprozess erfahren. Kohle und Stahl wurden zurückgedrängt. Doch das Land steht auch heute gut da. Erfolgreich ist es besonders durch den konsequenten Transfer von Wissen in die Wirtschaft. Bildung und Forschung ist deshalb für den wirtschaftlichen Erfolg des Bundeslandes enorm wichtig. „Sie in NRW sind ein starkes Stück Deutschland“, lobte Bundeskanzlerin Angela Merkel zum 60. Geburtstag des Bindestrichlandes.
Dementsprechend selbstbewusst ist das Land auch: Nach Angaben des Ministeriums für Wirtschaft, Mittelstand und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen (MWME) ist NRW nämlich auch das wirtschaftlich stärkste Bundesland. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist hier die Messlatte. Entsprechend gut geht es so manchem Arbeitgeber vor Ort: Im Jahr 2008 erwirtschafteten 127 Unternehmen jeweils mehr als eine Milliarde Euro Umsatz.
Stark durch Bildung
NRW verdankt diese Position einem breiten Branchenmix aus Industrie und Dienstleistung. „Nirgendwo sonst in Deutschland tragen unternehmensnahe Dienstleister so viel zu Innovation und Wertschöpfung bei wie in Nordrhein-Westfalen“, sagt Karl-Uwe Bürof, Leiter der Abteilung Standortpolitik, Industrie, Dienstleistungen, Cluster im MWME. „Die Stärke der Industrie des Landes beruht zu einem wesentlichen Teil auf der Stärke dieser industrienahen Dienstleistungsfirmen.“
Aber auch andere Bundesländer beherbergen Industrie und Dienstleister – und sind trotzdem nicht so erfolgreich. Die wesentliche Stärke von NRW liegt für Martina Fromhold-Eisebith, Professorin für Wirtschaftsgeographie an der RWTH Aachen, in der Bildung: „Das Wissen aus den Hochschulen wird genutzt und in die Wirtschaft getragen.“
Eine Erneuerung von unten – so beschreibt Martina Fromhold-Eisebith im Interview den Wandel in NRW. Die Professorin für Wirtschaftsgeographie an der RWTH Aachen über das Erfolgsgeheimnis des Bundeslandes.
NRW: Wissen ist der neue Rohstoff - das Interview
Größer, schneller, weiter
Die zentrale Lage in Europa, das dichteste Verkehrsnetz der Europäischen Union, vier international renommierte Messeplätze und die Förderung von Bildung und Forschung zählen zu den größten Vorteilen des Bundeslandes. Kein Wunder, dass sich Konzerne und viele mittelständische Unternehmen hier angesiedelt haben. Etwa die Hälfte der umsatzstärksten Firmen in Deutschland haben ihren Sitz in Nordrhein-Westfalen, darunter Konzerne wie Eon, Deutsche Telekom oder Thyssen-Krupp.
Auch als Medienland macht Nordrhein-Westfalen eine gute Figur. Für diese herausragende Position musste sich das Bundesland nahezu neu erfinden. „Wirtschaftlich erfolgreich sind die Teile des Landes, die sich weg von der traditionellen Industrie hin zu wissensintensiven Dienstleistungen gewandelt haben“, sagt Wirtschaftsgeographin Fromhold-Eisebith.
Noch vor einigen Jahrzehnten Kohle- und Schwerindustriestandort, setzt NRW jetzt auf eine umfassende Mischung aus Industrien und Dienstleistungen. Zwar machte die Industrie 2008 nur 30 Prozent der Bruttowertschöpfung des Landes aus. Die übrigen 70 Prozent erwirtschaftete der Dienstleistungssektor. Dennoch: „Die Industrie hat in Nordrhein-Westfalen eine Drehscheibenfunktion für die Gesamtwirtschaft“, so Experte Bütof vom MWME. Denn die Dienstleistungen ziehen sich quer durch alle Branchen und sind weitgehend produktions- und produktbezogen. Ohne Industrie also keine Dienstleistungen.
Auf dem Weg an die Wirtschaftsspitze hat das Bundesland in den vergangenen Jahrzehnten einen enormen Strukturwandel durchlaufen. Das Erfolgsrezept bringt Martina Fromhold-Eisebith auf den Punkt: „Der Wandel hat in den Regionen geklappt, wo die Universitäten mit Gründungsförderungen zu Motoren der Wirtschaftserneuerung geworden sind.“ Weiterlesen: So sorgen 16 Branchen-Cluster für Innovationen
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