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Eine Frage der Persönlichkeit - Teil 3: Stärken und Schwächen

Eindruck machen

Die Krux im Bewerbungsprozess ist aber: Wie kommt die Persönlichkeit am besten rüber? Die goldene Regel ist, niemals etwas vorzugaukeln. „Sich möglichst gut im Bewerbungsprozess zu verkaufen, liegt in der Natur der Dinge, aber erfahrene Personalleiter merken, wenn die Vorstellung nicht echt ist“, sagt Rüdiger Hossiep. Nicht nur das. Wenn die Wahrheit zu sehr gedehnt wird, nutzt das am Ende wenig. Management-Trainerin und Dozentin Ute Höfer-Schaaf rät deswegen: „Mit Sprache lässt sich einiges darstellen, aber ich warne immer vor einer Rückgratverbiegung. Das macht einfach keinen glücklich.“

Aufrichtig und mutig

Bild: Deutsche Bank

Karl von Rohr, Leiter Personal Deutschland der Deutschen Bank, setzt auf Ziele, Ideen und Werte. Denn daran kann eine Persönlichkeit wachsen.

Es sind viele Komponenten, die nicht nur im Beruf eine Persönlichkeit ausmachen. Fachliche Fähigkeiten gehören dazu, Leistungsbereitschaft, vor allem aber klare Ziele und Ideen für das Leben sowie eine eigene fundierte Meinung. Schließlich Werte wie Aufrichtigkeit und Courage. Die Persönlichkeit entwickelt sich und reift im Laufe des Berufslebens durch Erfahrungen, Erfolge und Niederlagen. Eine solche Entwicklung bedarf eines soliden Fundaments, das Halt und Orientierung gibt, ohne die Fähigkeit einzuschränken, Fortschritt und Wandel voranzutreiben.

Vorbereitung muss sein, aber ein Vorstellungsgespräch hat seine eigenen Regeln: „Wenn das Ganze auswendig gelernt klingt, kann das schon mal nerven“, so Höfer-Schaaf. Und die Persönlichkeit tritt dann hinter der einstudierten Rolle zurück. Oberstes Gebot: Sich, das heißt auch die Stärken und Schwächen, reflektieren und das Ergebnis verbalisieren. So scheinen Facetten der Persönlichkeit durch. „Das zeigt, dass der Kandidat nicht nur über reine Selbstdarstellungsfähigkeit verfügt, sondern auch die Fähigkeit besitzt, zu lernen und sich selbst zu reflektieren“, erklärt Jürgen Kaschube.

Als Beispiel nennt er die berühmte Frage nach Stärken und Schwächen. „Was die Kandidaten als Erstes dazu sagen, ist zunächst einmal egal. Da helfen keine leeren Formeln wie etwa die immer wieder genannte Perfektion“, stellt er fest. Viel wichtiger sei, dass jemand zeigt, dass er sich Gedanken über seine Erfolge und Misserfolge macht und daraus lernt.

Ecken und Kanten

Nur das Runde und nicht das Eckige: Wie viel Persönlichkeit darf’s denn nun sein? Das ist offenbar eine zweischneidige Sache. „Einerseits sollen sich die Mitarbeiter kritisch äußern, aber die glatten Typen kosten eben weniger Mühe und Zeit“, weiß Ute Höfer-Schaaf.

Wer aus dem Rahmen fällt, braucht oft eine engere Begleitung – manchmal sogar bis zum Mentoring. Da hängt es von der Unternehmenskultur ab, inwieweit Brüche und Widerspruchsgeist gerne gesehen sind. Rüdiger Hossiep glaubt, dass eigenwillige Charaktere „erst ab einer gewissen Ebene“ gut ankommen. „Bei den Jüngeren werden sie zunächst begrüßt, aber dann fängt man an, sie abzuschleifen“, sagt er. Personalleiterin Stübe schrecken Ecken und Kanten in der Persönlichkeit dagegen nicht ab. „Das gehört zu unserer Kultur“, sagt sie. An der Spitze von Solarworld sitzt mit dem Vorstandvorsitzendenden Frank Asbeck ja selbst ein ungewöhnlicher Charakter. Der Unternehmensgründer wird in der Presse gern als „Sonnenkönig“ mit Maserati und als Mann der Widersprüche gehandelt.

Am Persönlichen arbeiten

Wer am Persönlichen im Test oder im Vorstellungsgespräch scheitert, erhält meist keine aussagekräftige Rückmeldung. Seit der Einführung des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) geben Unternehmen aus Furcht vor möglichen Klagen keine Auskunft mehr. So können die Bewerber nicht aus der Absage lernen. „Es heißt immer nur: ‚Sie waren ganz toll, aber andere waren noch besser‘“, mäkelt Hossiep. Wer an seinen Soft Skills feilen will, für den hat der Experte einen Tipp parat: „Raus aus der Komfortzone: Umgeben Sie sich nicht nur mit Menschen, die Ihnen ähnlich sind und dieselbe Meinung haben, sonst kochen Sie nur im eigenen Saft.“ In Kunstkreisen oder Debattierclubs trifft eben Persönlichkeit auf Persönlichkeit. Teil 1: Karriere - eine Frage der Persönlichkeit

Autor: Stefanie Zimmermann
Datum: 06/10